Wiedereinstau der Fürwiggetalsperre: Sanierung statt Rückbau

"Nach zweieinhalbjähriger Sanierung kann die Fürwiggetalsperre nun wieder ihren Beitrag zu Sicherung der Trinkwasserversorgung und in Kürze auch zur umweltfreundlichen Stromerzeugung aus Wasserkraft leisten.

Damit hilft sie, wenn auch in bescheidenem Maße, zwei zentralen Problemen unserer zukünftigen Entwicklung - dem Klimawandel und der Energieverknappung - zu begegnen", erläuterte Professor Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, in Anwesenheit des Meinerzhagener Bürgermeisters Erhard Pierlings am Donnerstag, dem 11. Oktober, den Festgästen anlässlich des Wiedereinstaus der Fürwiggetalsperre.

Bereits die ungewöhnlichen Hochwässer im August diesen Jahres gaben einen Vorgeschmack, wie sich der Klimawandel in unserer Region auswirken kann. Prognostiziert werden stärkere Niederschlagsschwankungen, d. h. häufigere und heftigere Regenereignisse auf der einen Seite und ausgeprägtere Dürreperioden auf der anderen Seite. In beiden Fällen sind Talsperren von Nutzen, in dem sie einerseits Wasser zurückhalten und somit Hochwasserwellen dämpfen und andererseits Wasser speichern, um es in Dürreperioden wieder zur Verfügung zu stellen. Zur umweltfreundlichen Stromerzeugung wird die Fürwiggetalsperre mit einem Wasserkraftwerk ausgestattet, welches rund 150.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen wird.

Die Sanierung der Fürwiggetalsperre
Die im Jahr 1904 errichtete Fürwiggetalsperre musste seit 1987 mit einem um 2,80 Meter reduziertem Stauziel betrieben werden. Seitens der Aufsichtsbehörde wurde die Standsicherheit bei Vollstau als nicht ausreichend beurteilt. Die Gründe hierfür gehen auf die Bauart der Talsperre zurück. Beim Bau der Talsperre wurde seinerzeit der Auftrieb, d.h. der aufwärtsgerichtete Wasserdruck unterhalb der Talsperrenmauer, nicht berücksichtigt. Deshalb wurden vielfältige Sanierungsvarianten bis hin zum Rückbau der Talsperre untersucht. Eine Sanierung der Talsperre stellte sich nach Untersuchung mehrerer Varianten als wirtschaftlichste Lösung dar. Auch die sehr gute Wasserqualität der Fürwiggetalsperre, die der Trinkwasserversorgung der Stadt Meinerzhagen zu gute kommt, die Erhaltung eines Naherholungsgebietes und der Denkmalschutz sprachen für die Sanierung. Im Mai 2005 wurde mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Die Sanierungsmaßnahme setzte sich aus drei wesentlichen Blöcken zusammen.

Herstellung eines Kontrollgangs mit Dränagebohrungen und Messeinrichtungen
Im unteren Drittel der Staumauer wurde im Sprengvortrieb ein Kontrollgang aufgefahren. Aus ihm heraus wurden zu Drainierung der Staumauer und des Untergrunds Bohrungen abgeteuft, um den aufwärtsgerichteten Wasserdruck schadlos abzuführen. Mit diesem Kunstgriff wurde die Standsicherheit des Bauwerks wieder hergestellt. Die erforderlichen Mess- und Kontrolleinrichtungen mussten teilweise ergänzt bzw. erneuert werden.

Instandsetzung der Mauerkrone

Mit der Sanierung der maroden Kronenfahrbahn wurde eine Abdichtung der Mauerkrone erreicht, damit Niederschlagswasser nicht in den Mauerkörper eindringen und Schäden verursachen kann. Die aus Gründen des Denkmalschutzes zu Baubeginn aufgenommenen Brüstungsmauern wurden nach Abschluss der Betonarbeiten wieder aufgesetzt.

Erneuerung der Grundablassleitungen und Verschluss-Organe
Die Betriebseinrichtungen der Fürwiggetalsperre waren über 100 Jahre alt und erfüllten nicht mehr die Forderungen der einschlägigen Normen. Daher wurden die beiden Grundablassleitungen erneuert. Neue Absperrorgane ersetzten die stark geschädigten Schieber in den Türmen, die luftseitigen Absperrorgane wurden generalüberholt. Zusätzlich wurde eine separate Rohwasserentnahmeleitung für die Stadtwerke Meinerzhagen verlegt.

Die Sanierung der Fürwiggetalsperre hat 3,1 Millionen € gekostet und wurde damit knapp 15 % günstiger ausgeführt als ursprünglich veranschlagt.

Effiziente Wasserwirtschaft
Der Ruhrverband ist wie alle NRW-Wasserverbände ein Non-Profit-Unternehmen und – zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger – ausschließlich dem Gemeinwohl und der Wirtschaftlichkeit verpflichtet.

"Das Projekt "Sanierung der Fürwiggetalsperre" ist ein gutes Beispiel dafür, dass Ziele der Trinkwasserversorgung, des Denkmalschutzes, der Ökologie und der Naherholung mit wirtschaftlichen Aspekten vereinbar sind. In den letzten 20 Jahren hat sich die Qualität des Ruhrwassers nachweislich immens verbessert, 1.600 Mio. Euro wurden dafür im Flussgebiet der Ruhr investiert, das sind immerhin 700 € pro Einwohner im Verbandsgebiet! 700 € pro Einwohner, die man uns anvertraut sind ein großer Betrag. Der Ruhrverband ist sich seiner Verantwortung bewusst und versucht nach dem Motto "Effizienz und Fortschritt" seiner Aufgabe kostenbewusst gerecht zu werden", stellt Professor Harro Bode fest.