Weltwassertag 2026: Ruhrverband weist auf ungleiche Ressourcenteilhabe hin
Wasser ist Lebensgrundlage für alle Menschen, doch der Zugang zum Wasser ist vielerorts ungleich verteilt. Darauf weist der Ruhrverband zum bevorstehenden Weltwassertag (22. März 2026) hin, den die Vereinten Nationen unter das Motto „Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung (Where water flows, equality grows)“ gestellt haben. Zahlreiche Studien (https://www.unwater.org/water-facts/water-and-gender) belegen, dass Frauen und Mädchen überproportional von Verletzungen des Menschenrechts auf Wasser betroffen sind. In vielen Regionen der Welt ist die Wasserversorgung der Familie Frauensache, und der durch den Klimawandel bedingte Wassermangel verschärft strukturelle Probleme wie schlechtere Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten, größere Gesundheits- und Sicherheitsrisiken und fehlende Mitsprache.
Der Ruhrverband verbindet den Weltwassertag 2026 daher mit dem klaren Bekenntnis: Nachhaltige Wasserwirtschaft und Gleichberechtigung gehören zusammen – global, national und im eigenen Haus. Denn auch wenn in Deutschland formal alle Menschen gleichermaßen physischen Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Versorgung haben, wirkt sich strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Kontext Ressourcengerechtigkeit aus. Das hat erst letztes Jahr der Vierte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung „Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation“ festgestellt. Und nicht nur global, auch hierzulande ist der Klimawandel ein zentraler Ungleichheitstreiber.
Beispiel Unterrepräsentanz: Die Wasserwirtschaft in Deutschland ist bis heute eine Männerdomäne, vor allem in den gewerblich-technischen Berufsfeldern sind Frauen in der Unterzahl. Dies gilt auch für Managementebenen, politische Instanzen und behördliche Strukturen, in denen über Wasserinfrastruktur, Preisgestaltungen oder klimagerechten Stadtumbau entschieden wird. Daher finden Perspektiven von Frauen und anderen von struktureller Ungleichheit betroffenen Gruppen bei Planung und Priorisierung tendenziell weniger Gehör, obwohl Studien (McKinsey Diversity Matters Report u.a.) zeigen, dass heterogene Teams mit unterschiedlichen Hintergründen, Erfahrungen und Perspektiven häufig bessere Entscheidungen treffen.
Beispiel Armut: Frauen sind in Deutschland stärker armutsgefährdet als Männer –sie arbeiten häufiger in Teilzeit oder prekärer Beschäftigung, haben niedrigere Rentenansprüche und machen den überwiegenden Teil der von Armut besonders betroffenen Alleinerziehenden aus. Gleichzeitig trifft der Klimawandel armutsbetroffene Menschen härter: Sie leben oft in schlecht gedämmten Wohnungen, die sich im Sommer stärker aufheizen, und in sozial schwachen Stadtteilen ohne schattenspendende Bäume, Wasserflächen und Parks. Zudem sind Berufe, in denen wenig verdient wird, oft besonders hitzeexponiert, darunter klassische Frauenberufe etwa in der Alten- und Krankenpflege, im Reinigungsgewerbe und in der Gastronomie. Auch extreme Hochwasserereignisse nehmen durch den Klimawandel an Häufigkeit und Intensität zu und treffen sozial schwache Haushalte ohne entsprechende Versicherung oder finanzielle Rücklagen besonders hart.
Beispiel Care-Verantwortung: In Deutschland leisten Frauen deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Dazu gehören Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushaltsarbeit und Gesundheitsversorgung im Alltag. Hitzestress erhöht den Bedarf an Care-Arbeit, weil das Risiko für Dehydrierung (gerade bei älteren und pflegebedürftigen Menschen), Kreislaufprobleme und hitzebedingte Krankenhausaufenthalte steigt. Das bedeutet mehr privaten Pflegebedarf im Alltag ebenso wie eine höhere Belastung für das professionelle Personal in der Alten- und Krankenpflege, das ebenfalls zu 80 Prozent weiblich ist.
„Gleichberechtigung entsteht nicht von allein“, betont der Vorstandsvorsitzende Prof. Christoph Donner anlässlich des Weltwassertags. „Sie braucht gerechte Chancen und die Bereitschaft, Strukturen zu verändern und aktiv neu auszurichten. Wir beim Ruhrverband arbeiten daran:
- Indem wir mit gezielten Maßnahmen den Anteil an Frauen in Führungspositionen, in der Gesamtbelegschaft und bei den Auszubildenden – unseren Fachkräften von morgen – erhöhen.
- Indem wir die Energieeffizienz unserer Anlagen kontinuierlich verbessern und unsere Mitgliedskommunen beim Hochwasserschutz und bei Klimaanpassungsmaßnahmen (Stichwort Schwammstadt/Schwammwald) unterstützen, damit urbane und ländliche Räume unabhängig von Einkommen und sozialem Status lebenswert bleiben.
- Indem wir unser Talsperrenverbundsystem für den Klimawandel fit machen und so die Wasserversorgung für heutige und künftige Generationen sichern.
- Indem wir unsere Gewässer als Naherholungsziele für alle Alters-, Gesellschafts- und Einkommensgruppen verstehen, die den Menschen zugänglich sind, wo immer dies mit der wasserwirtschaftlichen Nutzung vereinbar ist.
- Und indem wir unsere wasserwirtschaftliche Infrastruktur konsequent zukunftsfähig machen – mit Investitionen, die dank unserer genossenschaftlichen Struktur solidarisch auf viele Schultern verteilt werden.“
„Nachhaltige Wasserwirtschaft beginnt nicht erst an der Quelle, sondern in den Köpfen und Strukturen – auch innerhalb unseres Ruhrverbands“, ergänzt Personalvorständin Carolin-Beate Fieback. „Wo Gleichberechtigung wächst, entsteht auch ein gerechterer, vorausschauender und resilienterer Umgang mit unseren Ressourcen. Das betrifft die globalen Wasserfragen ebenso wie unsere tägliche Arbeit. Deshalb verbinden wir Personalentwicklung, Chancengleichheit und ökologische Verantwortung ganz bewusst miteinander. Indem wir Vielfalt fördern, stärken wir die Zukunftsfähigkeit des Wassersektors.“