"Vertical-Slot-Pass" ermöglicht Fischen das Wandern
Das Erbgut der Fische wird dadurch breiter ausgetauscht, so dass sich langfristig gesündere und robusterer Tiere entwickeln können. Damit wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um die standorttypischen Fische zu erhalten und die Artenvielfalt in den Seen auszubauen," erläutert Professor Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, den Sinn und Zweck von Fischaufstieganlagen. An der offiziellen Inbetriebnahme am Mittwoch, dem 4. Juni 2008 nahm als Vertreterin der Bezirkregierung Arnsberg die Leiterin der Abteilung Umwelt und Arbeitsschutz, Frau Diana Ewert, teil.
Der Hengsteysee wurde 1929 als Flusskläranlage in Betrieb genommen. Neben auch jetzt noch wichtigen Feinreinigungseffekten dient er heute auch der Freizeitnutzung und vor allem der Energiegewinnung aus Wasserkraft. Hierbei wird sowohl die Gewinnung von Grundlaststrom durch das Laufwasserkraftwerk Hengstey als auch von Spitzenstrom durch das Koepchenwerk ermöglicht. Die zum Aufstau der Ruhr errichtete Wehranlage verhinderte bislang eine auf- und abwärtsgerichtete Fischwanderung.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie sowie das Wanderfischprogramm NRW fordern, die Fischdurchgängigkeit der Gewässer wieder herzustellen. Am Hengsteysee musste hierzu aus Platzgründen ein technisch anspruchsvolles Bauwerk, nämlich ein sogenannter "Vertical-Slot-Pass" (Schlitzpass) eingerichtet werden. Über eine Länge von 157 Metern wird mittels 39 durch Schlitzwände verbundene Becken eine Höhe von fünf Metern überwunden, dabei fließen ständig 570 Liter pro Sekunde durch den Schlitzpass. Die niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten und großen Wassertiefen in den Becken ermöglichen einem breiten Spektrum von Fischen jeder Art und jeden Alters die Passage.
Der Bau wurde durch mehrere Hochwässer in 2007 unterbrochen. Erschwerend kamen die beengten Platzverhältnisse in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk Hengstey mit den vielen vorhandenen Kabeln und Leitungen hinzu. Dennoch gelang es, die Planung kosten- und zeitgerecht zu realisieren. Die Gesamtkosten dieser ingenieurtechnisch anspruchsvollen Maßnahme betrugen rund 1,1 Millionen Euro, von den förderfähigen Kosten übernimmt das Land NRW 60 Prozent. Der Betrieb der Anlage obliegt dem Ruhrverband.
Nach dem Bau der Fischaufstiegsanlagen am Harkortsee und am Wehr Stiftsmühle sind nun mit der Fertigstellung des Fischaufstiegs am Hengsteysee die Maßnahmen zur Wiederherstellung der Fischdurchgängigkeit vom Harkort- bis zum Hengsteysee abgeschlossen.
Info zum Ruhrverband:
Der Ruhrverband ist ein öffentlich-rechtliches Non-Profit-Wasserwirtschaftsunternehmen und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Sowohl beim Betrieb seiner Talsperren, die die Wasserversorgung von 5 Millionen Menschen sicherstellen, als auch bei der Abwasserreinigung für 60 Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Ruhr und Lenne stehen Mensch und Umwelt im Zentrum seines Handelns, ohne dabei das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu vernachlässigen. Beispielsweise erfüllen die Kläranlagen des Ruhrverbands alle zu 100% die neuesten gesetzlichen Vorgaben und haben im Mittel bessere Ablaufwerte als der nordrhein-westfälische und bundesdeutsche Durchschnitt und dabei sind die Abwasserentsorgungskosten im Ruhreinzugsgebiet sogar noch etwas geringer als im NRW-Durchschnitt.