Ruhrverband und Stadt Lüdenscheid: Gemeinsam gegen Fremdwasser
Der Ruhrverband analysiert seit Dezember 2009 die Fremdwassersituation im Einzugsgebiet der Kläranlage Lüdenscheid-Schlittenbachtal sowie der benachbarten Kläranlagen Rahmedetal, Werdohl und Neuenrade. Diese Analyse ist die sechste Projektphase eines auf acht Jahre angelegten Untersuchungsprogramms, in dem der Ruhrverband mit Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen 50 besonders fremdwasserbelastete Kläranlageneinzugsgebiete untersucht und gemeinsam mit den betroffenen Kommunen Maßnahmenpläne zur Reduzierung des Fremdwasseranfalls erarbeitet.
Fremdwasser ist (weitgehend unverschmutztes) Oberflächen- oder Grundwasser, das über Undichtigkeiten, unerlaubt angeschlossene Haus- und Grundstücksdrainagen oder Bachläufe in die Kanalisation eindringt. Wenn es in großer Menge anfällt, belastet Fremdwasser Kanalsysteme und Kläranlagen, verursacht unnötige Kosten und beeinträchtigt den Wirkungsgrad der Abwasserreinigung. Mittelgebirgslandschaften wie das Sauerland sind aufgrund ihrer hohen Niederschläge besonders von Fremdwasser betroffen: Im Jahr 2004 war der Fremdwasseranfall auf den Kläranlagen im Ruhreinzugsgebiet mit rund 214 Litern pro Einwohner und Tag fast dreieinhalb mal so hoch wie der Bundesdurchschnitt.
Das Messprogramm der aktuellen sechsten Projektphase soll im Sommer 2010 abgeschlossen sein. Detailliert erfasst werden beispielsweise Durchflussmengen an verschiedenen Stellen innerhalb der Kanalisation, Niederschläge und Grundwasserstände sowie Füllstände an Sonderbauwerken wie Regenbecken, Pumpwerken und Stauraumkanälen. Darüber hinaus setzt die mit der Analyse betraute RWG Ruhr-Wasserwirtschaftsgesellschaft mbH, eine Tochter des Ruhrverbands, zur kleinräumigen Lokalisierung von Fremdwasserquellen gemeinsam mit den Stadtwerken Lüdenscheid auch Kanalkameras und Signalnebel ein.
Die Ergebnisse der Fremdwasseranalyse in den Kläranlagengebieten der sechsten Projektphase werden bis zum Sommer 2011 ausgewertet. Darauf aufbauend wird der Ruhrverband gemeinsam mit den Kommunen Maßnahmenpläne aufstellen, deren Umsetzung im Ermessen der jeweiligen Kommune liegt. Bisher existieren derartige Maßnahmenpläne für 28 der 50 zu untersuchenden Kläranlageneinzugsgebiete. Die ersten Untersuchungen haben im Jahr 2005 begonnen.