PFT-Werte in der Möhnetalsperre seit Aufdeckung des Skandals um 50 Prozent zurückgegangen

Die PFT-Konzentration (Summe aus PFOA und PFOS) in der Möhnetalsperre hat sich seit bekannt werden der PFT-Problematik im Mai letzten Jahres von rund 650 Nanogramm pro Liter auf nunmehr 315 Nanogramm pro Liter in etwa halbiert.

Insofern zeigt sich der Erfolg der Sanierung der belasteten Fläche in Brilon-Scharfenberg deutlich. Die Konzentration wird aufgrund der Sanierungsmaßnahme weiter zurückgehen, wenn auch die Konzentrationsabnahme im Talsperrenkörper aufgrund der Hintergrundbelastung langsamer vonstatten gehen wird als bisher.

Der Ruhrverband führt monatlich neben vielen anderen Messungen auch Längsuntersuchungen der Ruhr durch, bei denen u. a. die PFT-Konzentration gemessen wird. Bei diesen Messungen bewegten sich die PFT-Konzentrationen in der Ruhr zwischen kleiner 10 Nanogramm pro Liter an der Quelle, etwa 110 Nanogramm pro Liter im Mittellauf der Ruhr bei Echthausen und nahmen bis zur Mündung auf rund 90 Nanogramm pro Liter ab (detaillierte Daten siehe beigefügte Tabelle). Im Übrigen lag die PFT-Konzentration in der Ruhr, seit der angepassten Talsperrensteuerung ab Mitte Juli 2006, an einer Probenahmestelle etwas unterhalb des Zuflusses der Möhne in die Ruhr nach Messungen des Ruhrverbands nie über 250 Nanogramm
pro Liter; das Mittel aller seit Juni 2006 seitens des Ruhrverbands gemessenen Konzentrationswerte an dieser Probenahmestelle beträgt rund 155 Nanogramm pro Liter.

Damit befinden sich die PFT-Konzentrationen im Rohwasser der Ruhr erheblich unter dem von der Bundes-Trinkwasserkommission vorgegebenem Leitwert für Trinkwasser von 300 Nanogramm pro Liter. Diesen Wert definiert die Trinkwasserkommission als Leitwert, den es bei lebenslangem Genuss des betreffenden Trinkwassers zu unterschreiten gilt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass die Bundes-Trinkwasserkommission Werte bis hin zu 5.000 Nanogramm pro Liter Trinkwasser durchaus für kurzzeitig akzeptabel hält. Der von der Trinkwasserkommission angegebene Wert von 100 Nanogramm pro Liter stellt einen wünschenswerten Zielwert dar, der in vielen Oberflächengewässern aufgrund der Anwendung
von PFT in fast allen Lebensbereichen des Menschen in naher bis mittlerer Zukunft oft nicht wesentlich unterschritten werden wird. Bei einem Mittelwert von 100 Nanogramm pro Liter im Trinkwasser beträgt die jährliche Aufnahme eines Trinkwasserkonsumenten im Ruhreinzugsgebiet etwa 0,07 Tausendstel Gramm PFT.

Selbstverständlich gibt es, wie bei einem in vielen Lebensbereichen eingesetzten Stoff nicht anders zu erwarten, auch im Einzugsgebiet der Ruhr Industrie- und Gewerbeunternehmen, die PFT innerhalb ihrer Produktionsverfahren einsetzen. Die Behörden sind dabei, mit diesen Emittenten zu verhandeln. Da jedoch der Einsatz von PFT noch nicht verboten ist, können die Unternehmen nur in einem langwierigen Prozess überzeugt werden, Ersatzstoffe, soweit überhaupt vorhanden, einzusetzen.

Ein wichtiges Ziel des Ruhrverbands ist es, die oberflächlichen PFT-Einträge in die Gewässer des Ruhr- und insbesondere des Möhneeinzugsgebiets weiter zu verringern. Hierzu arbeitet der Ruhrverband eng mit den staatlichen Stellen zusammen. Das Verursacherprinzip muss jedoch weiterhin Geltung haben. Reine "End-of-the pipe"-Lösungen entsprechen nicht dem Leitbild des Ruhrverbands von einer nachhaltigen Wasserwirtschaft. Um zukünftige Eintragungen, ggf. auch anderer Stoffspuren, in die Gewässer zu verhindern, sind nach Auffassung des Ruhrverbands die entsprechenden gesetzlichen Regelungen diesem Ziel anzupassen.