Möhnetalsperre: Auch in diesem Jahr muss das Tiefenwasser belüftet werden
Weil die Sauerstoffgehalte in der Möhnetalsperre seit Anfang August eine sinkende Tendenz aufweisen, beginnt der Ruhrverband voraussichtlich ab der kommenden Woche mit der vorsorglichen Belüftung des Tiefenwassers zur Verhinderung von Fischsterben. Die notwendigen Perforationsschläuche werden aktuell verlegt.
Damit ist auch das Angelverbot im Bereich der Sauerstoffanreicherungsanlage mit sofortiger Wirkung in Kraft. Die imaginäre Linie zwischen den zwei tiefen Buchten (am Nordufer erste Bucht von der Staumauer aus gesehen, Höhe Yachtclub Möhnesee; am Südufer zweite Bucht von der Staumauer aus gesehen) darf Richtung Staumauer nur noch ohne anglerische Tätigkeit überfahren werden. Ein Festmachen von Booten an den orange-gelben Bojen, die die End- und Zwischenstücke der Sauerstoffanreicherungsanlage markieren, ist grundsätzlich untersagt.
Es handelt es sich um reine Vorsichtsmaßnahmen, die der Ruhrverband auch in den vergangenen Jahren an verschiedenen seiner Talsperren ergriffen hat. Aus mehrjähriger Erfahrung wird damit gerechnet, dass für rund vier bis sechs Wochen belüftet werden muss. So lange bleibt auch das Angelverbot aufrecht. Die Abnahme des Sauerstoffgehalts ist ein natürliches Phänomen, das nichts mit der Wasserqualität zu tun hat – diese ist an allen Talsperren des Ruhrverbands auch in diesem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer unverändert hoch.
Zum Hintergrund: Das Wasser der Talsperre bildet zwischen Frühjahr und Herbst unterschiedliche Temperaturschichten. Das kälteste und schwerste Wasser verbleibt am Seegrund, während sich das Wasser an der Oberfläche vor allem in warmen und sonnenscheinreichen Sommern stark erwärmen kann. Zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser liegt die so genannte Sprungschicht. Die stabile Temperaturschichtung wird erst durch Herbststürme, kühlere Lufttemperaturen und erhöhte Zuflüsse zur Talsperre wieder aufgelöst.
Durch sauerstoffzehrende Abbauprozesse des abgestorbenen Phyto- und Zooplanktons kann sich in der Sprungschicht ein nahezu sauerstofffreier „Riegel“ bilden, der die kälteliebenden Fischarten gewissermaßen im kalten Tiefenwasser einschließt. Falls der Sauerstoffgehalt auch in der tiefsten Wasserschicht zu stark abnimmt, besteht die Gefahr eines Fischsterbens. Kritisch wird es ab Sauerstoffwerten unter drei Milligramm pro Liter. Der Talsperrenbetrieb, das Kooperationslabor und das Fischereimanagement des Ruhrverbands kontrollieren daher diese Werte ab dem Spätsommer sehr genau und konnten so in den vergangenen Jahren durch gezielte Belüftung an verschiedenen Talsperren wirksam verhindern, dass Fische durch zu geringe Sauerstoffgehalte zu Schaden kommen.
Die rote Linie markiert den Grenzverlauf für das während der Tiefenbelüftung geltende Angelverbot. Der Verlauf der Sauerstoffleitungen ist blau, der Standort der Messboje gelb dargestellt. Quelle: GOVDATA Das Datenportal für Deutschland / Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0.