Messergebnisse zu kurzkettigen PFT-Verbindungen
Die Analytik zur Messung kurzkettiger PFT-Verbindungen ist deutlich komplexer und aufwändiger. Nach entsprechenden Testreihen tritt das chemisch-biologische Laboratorium des Ruhrverbands nun mit ersten Messergebnissen an die Öffentlichkeit.
Bei den Messergebnissen, die auf der Internetseite des Ruhrverbands dokumentiert sind, zeigen sich insbesondere für die Verbindungen PFBA, g-PFHxA und PFBS Befunde. So weist das Wasser der Möhnetalsperre PFBA-Konzentrationen von 0,12 µg/l und g-PFHxA-Konzentrationen von 0,07 µg/l auf. Da die Kläranlagen im Einzugsgebiet der Möhne kaum industriellen Belastungen unterliegen, geht der Ruhrverband bisher davon aus, dass auch die PFBA- und g-PFHxA-Konzentrationen überwiegend durch die PFT-kontaminierten Felder verursacht werden. Die Ergebnisse der Messstellen an der Möhne (Heidberg und Völlinghausen) deuten darauf hin, dass die bereits bekannte landwirtschaftliche Fläche in Rüthen ein Hauptverursacher ist.
Die obere Ruhr zeigt auch Befunde hinsichtlich der kurzkettigen Verbindung PFBA, weist aber mit durchschnittlich* 0,04 µg/l eine vergleichsweise geringe PFBA- und keine nachweisbare g-PFHxA-Konzentration auf.
Nach dem Zusammenfluss von Ruhr und Möhne bei Echthausen liegen die PFBA bzw. g-PFHxA-Konzentrationen bei durchschnittlich* 0,08 bzw. 0,03 µg/l. Im weiteren Fließverlauf der Ruhr nehmen die Konzentrationen der kurzkettigen PFT-Verbindungen PFBA- und g-PFHxA leicht ab. Dafür nimmt die Konzentration der kurzkettigen Verbindung PFBS leicht zu. PFBS wird insbesondere in der Industrie verwendet. In der Ruhr bei Essen liegen die kurzkettigen PFT-Verbindungen PFBA und PFBS bei durchschnittlich* 0,03 bzw. 0,04 µg/l.
Die kurzkettigen PFT-Verbindungen sind als Einzelstoffe humantoxikologisch noch nicht bewertet, werden aber auf Grund ihrer geringen Halbwertszeit (das ist der Zeitraum, nach dem die Hälfte des Schadstoffes wieder vom Körper ausgeschieden wurde) als weniger problematisch als die beiden bekannten Verbindungen PFOA und PFOS eingeschätzt. Die deutsche Trinkwasserkommission wird sich mit der Problematik auf ihrer nächsten Sitzung beschäftigen.
Will man nun trotzdem die bereits vorliegenden Befunde für die kurzkettigen PFT-Verbindungen einordnen, so kann man hilfsweise entweder den für die Summe aus PFOA und PFOS geltenden Leitwert von 0,3 µg/l heranziehen - bei dem der lebenslange Genuss von Trinkwasser als unbedenklich gilt - oder den Vorsorgemaßnahmenwert für Säuglinge, der für die Summe aller PFT-Verbindungen mit 1,0 µg/l angegeben wird. Glücklicherweise ist festzustellen, dass sowohl die Konzentrationen aller untersuchten kurzkettigen PFT-Verbindungen zusammengenommen im Ruhrwasser unter dem Leitwert von 0,3 µg/l liegen als auch die Summe aller PFT-Verbindungen den Vorsorgemaßnahmenwert für Trinkwasser von 1,0 µg/l um mehr als die Hälfte unterschreitet.
Der Ruhrverband wird vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse dennoch versuchen, mit weiteren Messungen die Quellen der kurzkettigen PFT-Belastungen zu lokalisieren und er wird in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden an diesbezüglichen Verminderungs- und Vermeidungsstrategien arbeiten.
* Mittelwert der bisherigen Messergebnisse an der jeweiligen Messstelle
Zum Hintergrund
Neben den bereits bekannten chemischen Verbindungen PFOS und PFOA gibt es weitere Verbindungen, die auch zur Gruppe der perfluorierten organischen Tenside (PFT) gehören. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Anzahl der Kohlenstoffatome. So hat die Perfluorbutansäure (PFBA) und das Perfluorbutansulfonat (PFBS) jeweils vier Kohlenstoffatome, die Perfluorhexansäure (g-PFHxA) sechs Kohlenstoffatome und die bekannten Stoffe Perfluoroctansäure (PFOA) sowie das Perfluoroctansulfonat (PFOS) jeweils acht Kohlenstoffatome.
Info zum Ruhrverband:
Der Ruhrverband ist ein öffentlich-rechtliches Non-Profit-Wasserwirtschaftsunternehmen und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Sowohl beim Betrieb seiner Talsperren, die die Wasserversorgung von 5 Millionen Menschen sicherstellen, als auch bei der Abwasserreinigung für 60 Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Ruhr und Lenne stehen Mensch und Umwelt im Zentrum seines Handelns, ohne dabei das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu vernachlässigen. Beispielsweise erfüllen die Kläranlagen des Ruhrverbands alle zu 100% die neuesten gesetzlichen Vorgaben und haben im Mittel bessere Ablaufwerte als der nordrhein-westfälische und bundesdeutsche Durchschnitt und dabei sind die Abwasserentsorgungskosten im Ruhreinzugsgebiet sogar noch etwas geringer als im NRW-Durchschnitt.