Falschaussagen verunsichern die Verbraucher

Richtig ist: "Das Wasser der Ruhr hat eine gute Qualität. Die Kläranlagen entsprechen zu 100 % den gesetzlichen Vorgaben."

Die Aussagen von Herrn Harald Friedrich, fristlos gekündigter Abteilungsleiter des Umweltministeriums, in einem Artikel der WAZ vom 2. August: "2006 hätten 26 von 48 Kläranlagen die Richtlinien nicht erfüllt. 2005 seien 34 von 49 Anlagen, durch mangelhafte Reinigungsleistung aufgefallen," sind politisch motivierter Unsinn. Es existiert keine Richtlinie, kein Gesetz oder keine Einleitungserlaubnis für den in Deutschland geltenden Rechtsrahmen, die die Kläranlagen des Ruhrverbands nicht erfüllen.

Ferner behauptet Friedrich: "Im Sommer bestehe das Wasser der Ruhr zu 40 % aus den belasteten Abflüssen von Kläranlagen, ...". Tatsache ist, dass der Abwasseranteil in der unteren Ruhr, also im Abschnitt mit dem höchsten Anteil, im Jahresdurchschnitt weniger als 10% beträgt und selbst in extremen Trockenwetterperioden maximal 23% erreicht.

Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbands, führt dazu aus: "Die diffamierenden und gezielt Angst verbreitenden Äußerungen von Frau Höhn und die Aussagen ihres fristlos entlassenen Abteilungsleiters stellen ihre Urheber selbst bloß: Während der Zeit von Frau Höhn als Ministerin wurde in Absprache mit ihr ein immenses Investitionsprogramm verwirklicht. 1,6 Mrd. € hat der Ruhrverband in den Kläranlagenausbau
gesteckt. Das waren immerhin 700 € pro Bürger, bei einer vierköpfigen Familie also 2.800 €.
Über die daraus resultierenden Gebührenanstiege beklagen sich heute viele Menschen. Frau Höhn hatte während ihrer zehnjährigen Amtszeit die Chance, mehr zu fordern, als sie es tatsächlich tat. Alle ihre damaligen Forderungen sind ausnahmslos umgesetzt worden. Wenn sie jetzt Nachforderungen stellt, würden die notwendigen Investitionen für den Bürger grundsätzlich viel teuerer, als wenn sie gleich von Anfang an so schlau gewesen wäre, wie sie jetzt vorgibt, zu sein. Aus seinem eigenen Erfahrungsbereich kann jeder nachvollziehen, dass der nachträgliche Einbau eines Badezimmers erheblich teurer ist, als wenn man es beim Hausbau von vorneherein eingeplant hätte. Dieser Effekt ist bei verfahrenstechnisch komplexen Kläranlagen noch viel stärker.
Gemessen an ihren eigenen heutigen Ansprüchen an die Abwasserreinigung muss das damalige Verhalten von Frau Höhn als kopfloser und verantwortungsloser Umgang mit dem Geld des Bürgers bezeichnet werden. Gäbe man ihrer jetzigen Vorstellung nach, würde in Deutschland, dem Land in Europa mit dem ohnehin durchschnittlich höchsten Abwasserreinigungsniveau, ein drastischer Gebührenanstieg die Folge sein. Die in der WAZ vom 2. August ins Spiel gebrachte Nanofiltration würde bei der Abwasserreinigung nahezu zu einer Verdopplung der Kosten führen. Dies muss man dem Bürger fairerweise sagen."

In der Ruhr befindet sich kein Giftcocktail
Im Zuge der regelmäßigen Ruhruntersuchung des Ruhrverbands werden seit vielen Jahren auch die Konzentrationen von Spurenstoffen untersucht.

Bei einer kürzlich vorgenommenen Auswertung von Spurenstoffen im Trinkwasser lagen auch die Maximalwerte sämtlicher Spurenstoffe deutlich unterhalb der für Menschen bedeutsam oder bedenklich anzusehenden Schwelle. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf für die Kläranlagen an der Ruhr ergibt sich demnach an keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt.

Auch die Frage, welche Technologie überhaupt geeignet wäre, am wirkungsvollsten die in Rede stehenden Spurenstoffe bereits aus dem Abwasser zu eliminieren, ist technisch-wissenschaftlich nicht hinreichend geklärt. Sicher ist jedenfalls, dass nicht jede Membranfiltration geeignet ist, PFT zu eliminieren. Ob die Anwendung von Oxidationsverfahren in kommunalen Abwasserkläranlagen, wie großmundig behauptet wird, zielführend ist, müsste in großtechnischen Versuchen nachgewiesen werden.

Die Ruhrwasserqualität schneidet in der Bestandserhebung gemäß Wasserrahmenrichtlinie besser ab als alle anderen Flüsse in NRW. "Das gereinigte Abwasser, das die Ruhrverbandskläranlagen verlässt, ist gemäß eines technisch-wissenschaftlich profunden Vergleichs der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA), sauberer als der Schnitt der nordrhein-westfälischen und der bundesdeutschen Kläranlagenabläufe (siehe PDF-Datei). Hier wird mit den Ängsten der Bevölkerung verantwortungslos Politik gemacht!" stellt Professor Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, klar.



Verlinkung zu PDF-Datei: klaeranlagen_vergleich2005.pdf