Einweihung der neuen Kläranlage Menden: Ruhrverband investiert 30 Millionen Euro in fortschrittliche Abwasserreinigungsanlage

Am Montag, dem 19. November wurde in Anwesenheit des Landesumweltministers Eckhard Uhlenberg und der Bürgermeister der Städte Menden und Fröndenberg, Rudolf Düppe und Egon Krause sowie des Vorstandsvorsitzenden des Ruhrverbands, Professor Harro Bode, die für 30 Millionen Euro neu errichtete Kläranlage Menden offiziell in Betrieb genommen.

Darüber hinaus wurde allerdings noch etwas sehr viel Umfangreicheres offiziell zum Abschluss gebracht, das Kläranlagenausbauprogramm des Ruhrverbands, wofür in Summe 1,6 Milliarden Euro investiert wurden.

"Die gesetzliche Frist für die Beendigung des Kläranlagenausbauprogramms war der 31. Dezember 2005. Nun könnte mancher vermuten, der Ruhrverband habe seine Schularbeiten nicht fristgerecht erledigt. Das Gegenteil ist - Gott sei Dank - der Fall. Der "Wasserteil", das Herzstück der Anlage, in dem der Prozess der Abwasserreinigung durchgeführt wird, wurde bereits vor gut 3 Jahren, am 5. Oktober 2004 nach nur 18 Monaten Bauzeit in Betrieb genommen. In weiteren Schritten wurde die Schlammbehandlung errichtet und die
Zufahrtsstraße saniert. Dies erklärt den späten Zeitpunkt unserer heutigen Feierlichkeiten," begrüßt Professor Harro Bode die Festgäste.

Mit Beendigung des Kläranlagenausbauprogramms funktionierten die Kläranlagen des Ruhrverbands bereits im Jahr 2006 nicht nur ausgezeichnet, sondern sogar deutlich besser als im Bundesdurchschnitt. Die DWA, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V., führt jedes Jahr einen Leistungsvergleich der deutschen Kläranlagen durch. Für das Jahr 2006 ergab sich folgendes Bild:

Durchschnittliche Ablaufwerte der Kläranlage:

DeutschlandDifferenzzugunsten des RuhrverbandsRuhrverband
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)33 mg/l-25%24,6 mg/l
Ammonium Stickstoff (NH4-N)1,5 mg/l-7%1,4 mg/l
Anorganischer Stick-stoff (Nanorg)8,2 mg/l-18%6,7 mg/l
Phosphor0,75 mg/l-32%0,51 mg/l

"Die Ruhrverbandskläranlagen haben somit Ablaufwerte, die in den wesentlichen Parametern um 7 bis 32 % niedriger liegen als der Bundesdurchschnitt und das bei geringeren Abwasserbehandlungskosten als im Landesdurchschnitt," erläutert Professor Harro Bode.

Weitere Maßnahmen in Zuge des Ausbauprogramms waren die Anpassungen der Regenwasserbehandlungen. Insgesamt errichtete der Ruhrverband hierzu rund 540 Anlagen. Allein der Kläranlage Menden sind 22 Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle vorgelagert. Sie sind eng verzahnt mit den kommunalen Kanalisationsnetzen und bilden mit diesen und der Kläranlage eine funktionale Einheit. Die Anlagen müssen aufeinander abgestimmt sein, um ein Höchstmaß an Umweltschutz zu erreichen. Ob diese umwelttechnische Schnittstelle vernünftig funktionieren würde, wenn die Kanalisation mehrheitlich von privater Hand betrieben würde oder sogar gänzlich in privater Hand läge – wie insbesondere von der privaten Entsorgungswirtschaft gefordert wird – statt in der bewährten Weise in der Hand der Kommunen oder des Ruhrverbands, muss bezweifelt werden.

Minister Eckhard Uhlenberg ging in seiner Rede auf die aktuelle Diskussion ein: "Die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Wasserver- und Abwasserentsorgung ist und bleibt in NRW in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben öffentlicher Daseinsvorsorge. Abwasserableitung und Abwasserbehandlung sind nach wie vor unverzichtbare Infrastrukturmaßnahmen des Ruhrverbands sowie der Städte und Gemeinden für ihre Bürger, die Gewerbebetriebe und die Industrie."

Zeitgleich mit der offiziellen Inbetriebnahme der Kläranlage Menden beging der langjährige Leiter des zuständigen Regionalbereiches des Ruhrverbands, Dipl.-Ing. Heinz Maus, sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Seit November 1982 ist er beim Ruhrverband tätig und leitet seit 15 Jahren den Regionalbereich Nord in Arnsberg. In seine Verantwortlichkeit fallen Bau und Betrieb von über 20 Kläranlagen, rund 250 Niederschlagswasserbehandlungsanlagen sowie zahlreicher Pumpwerke und Leitungen.

Informationen zum Neubau der Kläranlage Menden
Die in den 50er-Jahren errichtete und den wachsenden Anforderungen mehrfach angepasste Kläranlage Menden wurde am vorhandenen Standort durch einen kompletten Neubau ersetzt. Die zu den größeren Kläranlagen am Ober- und Mittellauf der Ruhr gehörende neue Anlage ist nach modernsten Gesichtspunkten konzipiert und wesentlich leistungsfähiger - insbesondere im Hinblick auf die Nährstoffelimination. Durch den Neubau der Kläranlage wird ein besonders wirksamer Beitrag zum Gewässerschutz und für die unterhalb liegende Trinkwassergewinnung geleistet. Neben diesem ökologischen Fortschritt ergibt sich darüber hinaus eine weitere Stärkung der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten dieser Region.

Das Einzugsgebiet der Kläranlage umfasst eine Fläche von 2.900 ha. Dabei werden die Abwässer der Städte Menden und Fröndenberg sowie in kleinerem Umfang von der Stadt Arnsberg der neuen Kläranlage zugeführt.

Die Kläranlage erstreckt sich auf einem Areal von 5,4 ha und reinigt das Abwasser von rund 80.000 Menschen. Darüber hinaus wird noch weitere Kapazität für Industrie und Gewerbe vorgehalten. Die Gesamtgröße der Kläranlage entspricht somit einer Reinigungskapazität von 105.000 Einwohnern. Der Trockenwetterzufluss zur Kläranlage erreicht in der Tagesspitze 540 l/s. Die mittlere der Kläranlage zufließende Tageswassermenge beträgt rd. 30.000 m³/d an Trockenwettertagen. Bei Regenwetter steigt der Zufluss bis auf 1.200 l/s an. Darüber hinausgehende Wassermengen werden in den Regenwasserbehandlungsanlagen innerhalb des Kanalnetzes zwischengespeichert.

Im Zulaufbereich wird das Abwasser aus dem Einzugsgebiet Menden durch zwei Schneckenpumpen gehoben. Von der auf der gegenüber liegenden Ruhrseite gelegenen Stadt Fröndenberg wird das Abwasser ebenfalls mittels eines separaten Pumpwerks zur Kläranlage gefördert. Anschließend durchfließt es die mechanische Reinigungsstufe, die aus Rechen, Sandfang und Vorklärung besteht. Diese Bauteile sind zur Vermeidung jeglicher Geruchsentwicklung vollständig gekapselt. Die Abluft wird über einen entsprechenden Filter geführt und gereinigt.

Danach erfolgt die Reinigung in der biologischen Abwasserbehandlungsstufe, die aus drei Belebungsbecken und zwei Nachklärbecken mit einem Gesamtvolumen von 34.000 m³ besteht. In den Belebungsbecken werden die organische Verschmutzung sowie die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor mikrobiologisch durch den Belebtschlamm eliminiert. Zur weitergehenden Entfernung von Phosphor wurde zusätzlich eine 3. Reinigungsstufe installierte. In der Nachklärung erfolgt die Trennung des Belebtschlammes vom Klärüberlauf. Als letzte Reinigungsstufe sind dem technischen Anlagenteil drei Schönungsteiche mit einem Gesamtvolumen von 15.000 m³ nachgeschaltet. Sie sind besonders landschaftsgerecht gestaltet und werden sich erfahrungsgemäß zu einem wertvollen Biotop für Pflanzen und Vögel entwickeln. Insgesamt wird das Abwasser somit einem Reinigungsprozess von nahezu 42 Stunden unterzogen.

Der bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm wird im Faulbehälter ausgefault und anschließend über eine Zentrifuge entwässert. Der Abtransport zur thermischen Verwertung erfolgt per LKW mittels Sattelauflieger oder Container. Das anfallende Klärgas wird zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.