Einweihung der Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück:

Verbesserte Abwasserreinigung steigert die Wasserqualität der Lenne

Die nunmehr fertiggestellte Erweiterung der rund 30 Jahre alten Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück wurde erforderlich, da Ende der achtziger Jahre - die Zeit von Robbensterben und Algenpest in der Nordsee - die gesetzlichen Anforderungen an die Abwasserreinigung zum Schutz der Meere verschärft wurden. Seitdem galt die Vorgabe, die Kläranlagen bis Ende 2005 so auszubauen, dass die Nährstoffe Phosphor und Stickstoff weitgehend zurückgehalten werden. Hierzu mussten innovative Verfahren zur Anwendung gebracht und die Becken der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlagen um ein Mehrfaches vergrößert werden.

"Um die lebenswichtige Ressource "Wasser" auch zukünftig nachhaltig schützen zu können, darf Gewässerschutz aber nicht immer erst "End of Pipe", also auf der Kläranlage, beginnen. Wir müssen uns verstärkt dafür einsetzen, dass wasser- und gesundheitsgefährdende Stoffe erst gar nicht in das Abwasser gelangen", erklärt Professor Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, in Anwesenheit des Lennestädter Bürgermeisters Alfons Heimes und des Staatssekretärs des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW am Freitag, dem 1. September, anlässlich der Einweihung der Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück

Die Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück
Das Einzugsgebiet der Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück umfasst die Bereiche Lennestadt mit den Ortschaften Oedingen, Elspe und Grevenbrück, Attendorn mit den Ortschaften Dünschede und Helden. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Erweiterungsplanung so ausgelegt, dass das 7 km entfernte Einzugsgebiet der KA Lennestadt-Bilstein an die Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück angeschlossen werden kann. Die erweiterte Kläranlage Lennestadt- Grevenbrück ist im Endausbau für 29.800 Einwohnergleichwerte bemessen.

Der Trockenwetterzufluss zur Kläranlage beträgt in der Tagesspitze 163 l/s, bei Regenwetter wird der Zufluss durch vorgelagerte Niederschlagswasserbehandlungsanlagen auf 355 l/s begrenzt. Im Zuge der Erweiterung wurde ein neues Nachklärbecken und ein neues Regenüberlaufbecken errichtet. Ferner wurde die alte Nachklärung, das Belebungsbecken und teilweise die Vorklärung zur neuen biologischen Reinigungsstufe umgebaut. Rechen- und Betriebsgebäude wurden an die neuen Anforderungen angepasst und die Schönungsteiche sowie der Schlammplatz erhielten eine neue Foliendichtung.

Das Reingungsverfahren stellt sich nach dem Umbau wie folgt dar: das der Kläranlage im Freigefälle zufließende Abwasser wird zunächst in der mechanischen Reinigungsstufe, bestehend aus Rechen, Sandfang und Vorklärung, behandelt. Hier werden Grobstoffe, Sand sowie Primärschlamm entfernt. Zur folgenden biologischen Reinigung durchfließt das Abwasser unter Zugabe des gesamten Rücklaufschlamms die Denitrifikationsselektoren und die zwei Belebungsbecken. Anschließend wird es im Zentralpumpwerk gehoben und durch ein zweistraßiges Nachklärbecken und drei Schönungsteiche geführt. Das gereinigte Abwasser wird
in die Lenne eingeleitet. Die Entlastungsleitung des Regenüberlaufbeckens mündet in der Repe. Der bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm wird im Faulbehälter ausgefault und anschließend in zwei Schlammteichen statisch eingedickt. Im Rhythmus von 2 Jahren wird der Schlamm maschinell mit mobilen Entwässerungsaggregaten entwässert und in die Verbrennung gegeben. Die Investitionskosten für die Erweiterung der Kläranlage Lennestadt-Grevenbrück betragen 6,7 Mio. Euro.

Effiziente Wasserwirtschaft
Der Ruhrverband ist wie alle NRW-Wasserverbände ein Non-Profit-Unternehmen und - zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger - ausschließlich dem Gemeinwohl und der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Trotz mancher naturbedingter Nachteile liegen die Abwasserbehandlungskosten im Ruhreinzugsgebiet um 31 € pro Jahr für eine vierköpfige Familie unter dem Landesdurchschnitt.

"In den letzten 20 Jahren hat sich die Qualität des Ruhrwassers nachweislich immens verbessert, 1.600 Mio. Euro wurden dafür im Flussgebiet der Ruhr investiert. Die Anlagen des Ruhrverbands entsprechen heute alle dem Stand der Technik und halten selbstverständlich alle an sie gestellten Anforderungen ein. Viele Anlagen erzielen sogar bessere Werte als gefordert. Eine Generationenaufgabe wurde mit Augenmaß und vor allem hoher Wirtschaftlichkeit gemeistert", stellt Professor Harro Bode fest.