Einweihung der 14. Erweiterung der Kläranlage Hagen: 95 Jahre im Dienste des Gewässerschutzes

"Seit 95 Jahren leistet die Kläranlage Hagen einen bedeutenden Beitrag zur Qualitätsverbesserung der Ruhr.

Die heutige offizielle Inbetriebnahme der 14. Erweiterung dieser Kläranlage zeigt deutlich, dass sich Umwelt- und Gewässerschutz immer an die dynamischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen muss und dies auch getan hat. Um die lebenswichtige Ressource "Wasser" auch zukünftig nachhaltig schützen zu können, darf dies aber nicht immer erst "End of Pipe", also auf der Kläranlage, geschehen. Wir müssen uns verstärkt dafür einsetzen, dass wasser- und gesundheitsgefährdende Stoffe erst gar nicht in die Umwelt gelangen können", erklärt Professor Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, in Anwesenheit des Hagener Oberbürgermeisters Peter Demnitz und des Arnsberger Regierungspräsidenten Helmut Diegel am Freitag, den 25. August, anlässlich der Einweihung der Kläranlage Hagen.

Entwicklung der Kläranlage Hagen
Die Kläranlage Hagen verfügt über eine außerordentlich lange, die Dauer eines Menschenlebens bei weitem übertreffende, wechselvolle Geschichte. 1909 – vor fast 100 Jahren – legte die Stadt Hagen nach Zusammenarbeit mit dem damals noch als Leiter der Abwasserabteilung der Emschergenossenschaft in Essen tätigen Dr.-Ing. Karl Imhoff, der später der erste Geschäftsführer des Ruhrverbands wurde, den ersten Entwurf für die Kläranlage Hagen vor. Bereits 1911 war der Bau dieser ersten für ca. 60.000 Einwohner dimensionierten Kläranlage abgeschlossen. Die Anlage bestand aus Rechen, Sandfang sowie 8 Emscherbrunnen mit einem Gesamtvolumen von 1.500 m³ und den Schlammtrockenplätzen.
1919 übernahm der Ruhrverband die Anlage von der Stadt Hagen gegen eine Entschädigungszahlung von 200.000 Reichsmark. Seitdem wurde die Kläranlage 14-mal erweitert, um sie an das Bevölkerungswachstum und die jeweils neuen Reinigungsanforderungen anzupassen.

14. Erweiterung
Die nunmehr fertiggestellte 14. Erweiterung wurde erforderlich, da Ende der achtziger Jahre – die Zeit von Robbensterben und Algenpest in der Nordsee – die gesetzlichen Anforderungen an die Abwasserreinigung zum Schutz der Meere verschärft wurden. Seitdem galt die Vorgabe, die Kläranlagen bis Ende 2005 so auszubauen, dass die Nährstoffe Phosphor und Stickstoff weitgehend zurückgehalten werden. Hierzu mussten innovative Verfahren zur Anwendung gebracht und die Becken der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlagen um ein Mehrfaches vergrößert werden.

Dank der Weitsicht der Planer wurde bereits 1909 ein großzügiges, 6 km vor dem damaligen Stadtgebiet liegendes Baufeld gewählt. Durch diese weise Entscheidung der Stadt Hagen gelang es dem Ruhrverband, den Standort bis heute zu erhalten. Hierdurch konnte die alte Bausubstanz, soweit es bau- und verfahrenstechnisch möglich war, erhalten und weiterhin nützlich eingesetzt werden. Die über 50 Jahre alten Tropfkörper (Teil der ehemaligen biologischen Stufe) mussten jedoch nun einer neuen Nachklärung weichen. Die alte Nachklärung wurde zusätzlich den Belebungsbecken zugeschlagen und gleichzeitig auch das alte Regenbecken zum Nitrifikationsbecken umgewidmet. Auf diese Weise gelingt es nun, in einem Gesamtbelebungsvolumen von knapp 50.000 m³ über einen vorgeschalteten Denitrifikationsprozess den Stickstoff effizient und wirtschaftlich zu entfernen. Das Volumen der Belebungsbecken hat sich somit gegenüber der 13. Erweiterung um knapp 30.000 m³ bzw. ca. 150 % vergrößert. Allein dieser Teil der Anlage weist somit ein Volumen auf, das in etwa 2 % des Volumens des Harkortsees entspricht. Dieser Vergleich zeigt, welche Volumina benötigt werden, um die konzentrierte biologische Abwasserreinigung zu hohen Wirkungsgraden zu führen, wie sie heute auf der Kläranlage Hagen erzielt werden.

Die erweiterte Kläranlage Hagen ist für eine Anschlussgröße von 235.000 Einwohnerwerten ausgelegt und reinigt die Abwässer aus den Stadtgebieten Hagen, Herdecke, Wetter, Ennepetal-Voerde und -Hasperbach sowie zukünftig auch Breckerfeld-Zurstraße. Bei trockenen Witterungsverhältnissen werden 1.235 l/s und bei Regenwetter bis zu 2.500 l/s Abwasser behandelt. Darüber hinausgehende Wassermengen können in einem Regenüberlaufbecken vor der Kläranlage zwischengespeichert werden. Um die Abwässer nach dem neuesten Stand der Technik zu reinigen, sorgen etwa 150 Tonnen Bakterien Tag für Tag dafür, dass die organischen Schmutzstoffe und die Nährstoffe aus dem Abwasser entfernt werden. Damit die Bakterien optimal arbeiten, müssen die richtigen Umgebungsbedingungen eingestellt werden.
Hierzu ist hochqualifiziertes Betriebspersonal erforderlich, das von komplexen Computersteuerungen unterstützt wird. Da die Strompreise innerhalb der letzten 2 Jahre um 35 % gestiegen sind, wurde im Zuge der Erweiterungsmaßnahme eine sehr weitgehende Nutzung des entstehenden Faulgases (8.000 Kubimeter pro Tag) errichtet. Vier Blockheizkraftwerke erzeugen im Jahresdurchschnitt 40 % des von der Kläranlage benötigten Stromes. Die Erweiterung der Kläranlage Hagen konnte mit Kosten von 38 Mio. Euro zehn Prozent günstiger erstellt werden als ursprünglich veranschlagt.

Effiziente Wasserwirtschaft
Der Ruhrverband ist wie alle NRW-Wasserverbände ein Non-Profit-Unternehmen und – zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger – ausschließlich dem Gemeinwohl und der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Trotz mancher naturbedingter Nachteile liegen die Abwasserbehandlungskosten im Ruhreinzugsgebiet um 31 € pro Jahr für eine vierköpfige Familie unter dem Landesdurchschnitt.

"In den letzten 20 Jahren hat sich die Qualität des Ruhrwassers nachweislich immens verbessert, 1.600 Mio. Euro wurden dafür im Flussgebiet der Ruhr investiert. Die Kläranlage Hagen ist das letzte große Projekt des breit angelegten Ausbauprogramms im Bereich der mittleren Ruhr. Die Anlagen des Ruhrverbands entsprechen heute alle dem Stand der Technik und halten selbstverständlich alle an sie gestellten Anforderungen ein. Viele Anlagen erzielen sogar bessere Werte als gefordert. Eine Generationenaufgabe wurde mit Augenmaß und vor allem hoher Wirtschaftlichkeit gemeistert", stellt Professor Harro Bode fest.