Invasive Flusskrebsarten bedrohen den Edelkrebs
Der amerikanische Flusskrebs und andere nicht-heimische Flusskrebsarten haben in vielen Gewässern in NRW die heimischen Krebspopulationen fast vollständig verdrängt. Sie bringen nicht nur eine enorme Konkurrenzkraft mit, sondern tragen auch die sogenannte Krebspest in sich – eine Pilzerkrankung, gegen die sie selbst immun sind, aber die für europäische Flusskrebse in der Regel tödlich endet. Infolge dieser Entwicklung ist der heimische Edelkrebs (Astacus astacus) in NRW nahezu verschwunden und gilt heute als stark gefährdet.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, engagiert sich der Ruhrverband gemeinsam mit weiteren Partnern im Rahmen des Edelkrebsprojekts NRW. Ziel ist es, stabile Bestände des Edelkrebses wieder aufzubauen und ihm in ausgewählten Gewässern eine sichere Zukunft zu geben.
Ein zentrales Element sind Wiederansiedlungen in ökologisch geeigneten Talsperren. So wurden im Oktober 2021 rund 3.000 zweijährige Edelkrebse in der Versetalsperre ausgesetzt. Bereits 2017 hatte der Ruhrverband mit einer ähnlichen Maßnahme in der Fürwiggetalsperre positive Erfahrungen gesammelt. Beide Standorte bieten dank guter Wasserqualität und geeigneter Strukturen ideale Bedingungen für die Tiere.
Die Ansiedlung wird von Fachleuten begleitet: Tauch- und biologische Untersuchungen sollen sicherstellen, dass sich die Krebse einleben und langfristig eine stabile Population bilden können.
Zentrale Bedeutung für das Ökosystem
Der Edelkrebs übernimmt im Gewässer wichtige Aufgaben. Er zersetzt organisches Material wie Laub oder abgestorbene Pflanzenreste, reinigt so den Gewässerboden und stabilisiert Nährstoffkreisläufe. Gleichzeitig ist er ein Indikator für gute Wasserqualität – sein Vorkommen signalisiert stabile, naturnahe Bedingungen.
Mit der Wiederansiedlung des Edelkrebses leistet der Ruhrverband daher nicht nur einen Beitrag zum Artenschutz, sondern stärkt auch die ökologische Vielfalt in den eigenen Talsperren.
Engagement und Partnerschaften
Der Ruhrverband unterstützt das Edelkrebsprojekt NRW mit Fachwissen und Infrastruktur. Gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Märkischer Kreis, Ehrenamtlichen und weiteren Partnern werden geeignete Gewässer ausgewählt, Besatzmaßnahmen umgesetzt und die Entwicklung der Bestände dokumentiert. Um den langfristigen Erfolg sicherzustellen, ist aber auch die Mithilfe vieler anderer Akteure notwendig: Behörden, Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt die Bevölkerung, die durch Information und Aufklärung für den Schutz des Edelkrebses sensibilisiert wird.
Die Rückkehr des Edelkrebses in die Talsperren des Ruhrverbands ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu stabilen Beständen. Doch die Gefahr bleibt: Invasive Flusskrebse und die Krebspest sind nach wie vor eine Bedrohung. Deshalb wird das Engagement konsequent fortgesetzt – mit weiteren Wiederansiedlungen, wissenschaftlicher Begleitung und einer engen Zusammenarbeit aller beteiligten Partner.